Rundkirche in Nyker Peru

August 2010


Südamerika stand schon lange bei uns auf dem Programm, doch wir scheuten den weiten Flug um die halbe Welt, der dann letztendlich gar nicht so schlimm war. Wir wollten unbedingt ein Anden-Trekking (nicht zu anspruchsvoll) und wir wollten unbedingt den Amazonas besuchen. So fiel die Wahl im Januar d. J. auf Peru, das auf relativ kleinem Raum eine Fülle von geographischen Highlights bietet und heute auch ein sicheres Reiseland ist.

Reisevorbereitung
Geographie
Reise


Reisevorbereitung
National Geographic Traveler: Peru Beck'sche Länderreihe: Peru Geo Special: Peru und Bolivien Romane  
National Geographic Traveler: Peru Beck'sche Länderreihe: Peru Geo Special: Peru und Bolivien siehe auch Lesetipps sowie www.wikipedia.de 

gebucht als Pauschalreise für 2 Personen bei www.fernaktiv-reisen.de (= externer Link) in Trier. Wir waren wieder einmal mehr als zufrieden.


Geographie

Vergleich Peru/Deutschland (Quelle: Geo Special):
Fläche in km² 1.285.216 357.104
Einwohner 27.898.00 82.268.000
Einwohner pro km² 2 230
Einkommen pro Monat pro Kopf in € 125 2.500
Internet-Hosts 274.592 23.796.000
höchster Berg in m 6.768
Huascarán
2.962
Zugspitze

3 Landschaftszonen:
COSTA (= Küste) SIERRA (= Andenhochland) SELVA und MONTANA (= Regen- und Nebelwald)
11% der Staatsfläche 15 % 64 %
Küstenwüste durch kalten Humboldtstrom aus der Antarktis mehrere Gebirgszüge der Anden (= längste Gebirgskette der Erde über dem Meeresspiegel tropischer Bergwald am östlichen Andenabhang
60 - 160 km breit im Süden Perus abflusslose Hochebene des Altiplano Regenwald im Amazonasbecken
Jahresmitteltemperatur: 18 °C Quellflüsse des Amazonas Jahresmitteltemperatur: 26°C
Jahresniederschlag: 13 mm typische Tiere: Kondor und Lama Jahresniederschlag: 3.800 mm
Hochnebel Garúa von April bis November typische Pflanzen: Koka und Kartoffeln bedroht durch Holzeinschlag, Erdölförderung, Plantagenbau, Besiedlung
viele Vögel, u.a. Kormorane   typische Tiere: Anakonda und Kaiman

Tier- und Pflanzenwelt
Papagei Ackerbau Regenwald
große biologische Vielfalt:
2 Mio. Insektenarten,
1.800 Vogelarten,
600 Arten Reptilien/Amphibien,
400 Säugetierarten
Ackerbau und Wald bis in eine Höhe von 4.000 m Höhe Regenwald im Amazonasbecken: größter der Erde,
= 40 % der Fläche Südamerikas,
20 % des gesamten Süßwassers der Erde
 

Kontinentaldrift
Kontinentaldrift Kontinentaldrift
Südamerika treibt nach Westen Die Nacza-Platte sinkt unter die südamerikanische Platte: Anden wachsen 1 mm pro Jahr, Vulkanismus, Erdbeben.

Geschichte und Kulturen
- 20000 v. Chr. erste Einwanderungen
- 200 v. Chr. Beginn Nacza-Kultur
- 1200 n. Chr. Beginn Inka-Kultur
- 1532 n. Chr. spanische Eroberung
- 1821 n. Chr. Unabhängigkeit

Völker
indigene Uru-Indianer Mestize am Amazonas  
45 % indigen  37 % Mestizen  15 % Europäer 

3 Amtssprachen
- spanisch
- Quechua (meist gesprochene indigene Sprache Südamerikas
- Aymara (im Süden Perus)

Essen und Trinken
wir haben vieles probiert, allerdings nur in Restaurants und nicht auf der Straße:
Cuy Ceviche Inca Kola Pisco Sour
Cuy
(Meerschweinchen)
Ceviche
(roh marinierter Fisch)
Inca Kola
(schmeckt nach Medizin)
Pisco Sour
(peruanisches Nationalgetränk aus Traubenschnaps)

Kunst
Panflötenverkauf Weberin Moderne Kunst
Musik Webarbeiten Moderne

Wirtschaft
Feldarbeit Export Obst/Gemüse Tourismus
2-Klassen-Gesellschaft:
- so wie wir leben oder
- Feldarbeit, kaum Bildung
Export von Mango, Spargel, Avocado, Tomaten Wichtigster Wirtschaftsfaktor: TOURISMUS


und nun zu unserer Reise:



Hinflug und Lima

Flug von Stuttgart nach Amsterdam mit KLM (1 h 25 min) und weiter nach Lima (12 h 40 min). Sitzabstand und Verpflegung an Bord waren recht gut. In Lima zähe Passkontrolle und Gepäckausgabe, etwas Bargeldtausch am Flughafen, damit wir "flüssig" waren. In jeder Stadt gab es übrigens Geldautomaten. Die "Pauschalreise" hatte den großen Vorteil, dass wir immer und überall von einem Fahrer abgeholt worden sind. Peru ist kein Campingland, weshalb wir außer auf der Trekkingtour in recht guten ***-Hotels nächtigten.
Reise-Bausteine Packliste Landeanflug in Lima Hotel Los Girasoles in Lima
unsere Reisebausteine Packliste Lima Hotel Los Girasoles in Lima

Den ersten Vormittag hatten wir zur freien Verfügung und spazierten durch Miraflores und am Pazifik entlang bis nach Barranco. Lima ist die Hauptstadt von Peru und mit etwa 7 Millionen Einwohnern auch die größte Stadt des Landes. Sie wurde 1535 n. Chr. von Francisco Pizarro gegründet. In den 50er Jahren war Lima noch das "Kalkutta Südamerikas", heute ist sie im wesentlichen eine moderne Stadt mit der weltweit größten Dichte an Kochschulen.
Nachmittags hatten wir eine private Stadtführung mit kleiner Stadtrundfahrt auf deutsch. Wir hatten übrigens keine nennenswerten Probleme mit der Zeitverschiebung.
Pazifikküste modernes Miraflores Plaza de Armas Monasterio de San Francisco
Pazifikküste mit Panamericana
kein Traumstrand, sondern tückische Wellen und Strömungen
modernes Miraflores Plaza de Armas Monasterio de San Francisco
mit sehenswerten Katakomben und Bibliothek (Fotografierverbot)


Amazonas

Schon um 6 Uhr wurden wir wieder im Hotel abgeholt und zum Flughafen gefahren. Der Guide organisierte übrigens auch den Vorabend-Checkin und jetzt am frühen Morgen die blitzartige Gepäckaufgabe. Via Cusco (1,5 Std.) flogen wir nach Puerto Maldonado (30 Min.). Unterwegs hatten wir nur kurz mal einen schönen Blick auf unsere Trekkingberge.
kurzer Blick auf die Anden Cusco Anden-Tal Amazonas
Blick auf Nevado Humantay (5.917 m) und Nevado Salkantay (6.270 m) Blick auf Cusco (3.400 m) mit Flughafen Blick auf ein Andental Blick auf den Amazonas

Am Flughafen von Puerto Maldonado stand schon ein älterer Bus mit Holzsitzen und ohne Fenster bereit, mit dem wir die kurze Strecke in die Stadt fuhren. Puerto Maldonado liegt 265 m hoch, hat 51.000 Einwohner und lebt vom Holzeinschlag, Goldwaschen, Paranüssen und Ökotourismus. Da wir noch auf weitere Mitreisende warten mussten, besuchten wir noch den Markt, bevor wir dann mit dem Motorboot eine Stunde flussabwärts zur Eco Amazonia Lodge fuhren.
Puerto Maldonado Markt in Puerto Maldonado die noch unfertige Transamazonica Fahrt zur Eco Amazonia Lodge, Goldwäscher
Puerto Maldonado Markt Transamazonica in Bau
von hier sind es noch fast 6.000 km bis zum Atlantik
Lockruf des Goldes

Wir blieben 3 Nächte in der Eco Amazonia Lodge und unternahmen zusammen mit ca. 10 weiteren Touristen spannende Ausflüge in die Umgebung. Auf Monkey Islands sahen wir ausgewilderte Affen. Die cocha perdida erkundeten wir zu Fuß und mit dem Kanu. Wir angelten nach Piranhas (vergeblich), besuchten eine comunidad nativa ("Völkerschau") und fütterten Kaimane. Auch wenn wir manches als "künstlich" empfanden, waren die Ausflüge doch sehr spannend und interessant. Allerdings war es durch kalte Fallwinde von den Anden erstaunlich kalt (12 - 25°C) und wir froren nachts etwas in unserem Bungalow ohne Fenster (nur Moskitonetze). Und die Tarantel, die unsere Guides vergeblich aus ihrem Bau kitzeln wollten, hatten wir im Zimmer.
Eco Amazonia Lodge Amazonas am frühen Morgen Kapok Anakonda
Eco Amazonia Lodge, Haus Piranha Amazonas am frühen Morgen Kapok junge Anakonda


Cusco

Nach einer ausgiebigen Sicherheitskontrolle flogen wir nach Cusco zurück. Im Hotel erhielten wir zur Begrüßung einen Mate de Coca, ziemlich bitter im Geschmack, aber er soll gegen die Symptome der Höhenkrankheit helfen (ich glaube, er tat es auch). Obwohl uns der Guide nahe legte, den Nachmittag gemütlich liegend im Zimmer zu verbringen zwecks Anpassung an die Höhe (3.400 m), zogen wir los und erkundeten auf eigene Faust die Altstadt und speisten köstlich Meerschweinchen und Alpaka auf Empfehlung des Rezeptionisten im Don Tomas. Allerdings hatten wir schon Kreislaufprobleme und unser Herz raste bei der geringsten Anstrengung. Deshalb blieben wir auch 4 Tage zur Akklimatisierung.

Hotel Suenos del Inka Cusco Plaza de Armas von Cusco Inkamauer in Cusco
Hotel Suenos del Inka in Cusco Cusco, 3.400 m hoch Plaza de Armas von Cusco Inkamauer im Stadtteil San Blas


Cusco und Umgebung

Cusco hat 320.000 Einwohner und ist angeblich die am längsten bewohnte und wichtigste archäologische Stadt Südamerikas. Die alte Inka-Hauptstadt wurde im 16. Jh. von den Spaniern fast völlig abgerissen und im Kolonialstil neu erbaut. Obwohl viele Touristen in der Stadt waren, fanden wir die Stadt charmant, spannend, faszinierend. Wir haben uns rundum wohlgefühlt.
Auch hier hatten wir wieder eine halbtägige, ausgezeichnete Stadtführung auf deutsch. Einen weiteren, ganzen Tag verbrachten wir in der Umgebung von Cusco und besuchten die bedeutendsten Stätten des Valle Sagredo (= heiliges Tal der Inka).
Puka Pukara Sacsayhuaman Pisac Ollantaytambo
Tambo (Wachposten) Puka Pukara Sacsayhuamán Tempelanlage von Pisac Tempelanlage von Ollantaytambo


Exkurs ins Inkareich
Inka = Quechua-Wort für König
Ausdehnung des Inkareiches Quipu Inkastraße Inkamauer
Bildquelle: www.wikipedia.de
Das Inkareich erstreckte sich im Maximum vom heutigen Ecuador bis Chile
(größer als die Strecke vom Nordkap bis nach Sizilien), Zentrum war Cusco.
Bildquelle: www.wikipedia.de
Quipu = Knotenschrift
32.000 km Straßennetz (größer als das römische) mit Brücken, Treppen und Tunneln
Stafettenläufer konnten Nachrichten 200 km pro Tag weiterleiten (das Rad war unbekannt)
Bauwerke aus schweren Granitsteinen, die verwinkelt und meist fugenlos aneinander passen und erdbebensicher sind (Zugtier und Flaschenzug waren ebenfalls unbekannt)
Ackerbauterrassen Schädel-OP Webkunst Untergang durch Ausbreitung von neuen Krankheiten wie Pocken und Masern, Bruderkrieg zwischen Atahualpa und Huáscar, durch rasche Expansion des Inkareiches Unzufriedenheit der unterworfenen Völker, Aufstände, Landung des Spaniers Francisco Pizarro, den Inkas unbekannte europäische Waffentechnik und Taktik.  
Ackerbau an terrassierten Hängen mit Bewässerungskanälen (240 Kartoffelarten, 20 Maissorten, Quinoa, Kürbis, Maniok, Avocado, Cashewnüsse u.v.m.)
Terrasssen = andenes
erfolgreiche Operationen am Schädel Webkunst


Salkantay Trail

Nach einem angenehmen Ruhetag in Cusco brachen wir auf zum Herzstück unseres Urlaubes - der Trekkingtour. Zunächst fuhren wir - noch im Dunkeln - mit vielen anderen Touristen mit dem Bus nach Mollepata, ein Dorf in 2.800 m Höhe, ca. 60 km von Cusco entfernt. Die Fahrt war reichlich chaotisch, weil die Guides ständig irgendwo was einkauften, Gas tauschten, der Busfahrer tanken musste, Heizung und Gebläse defekt waren, weshalb die Scheiben innen vereisten ... Doch irgendwann kamen wir in Mollepata an, erhielten ein genauso chaotisches gemeinsames Frühstück und wanderten schließlich alleine los mit unserem Guide Lito, der leider das Arbeiten nicht gerade erfunden hatte und so viel (oft im Kreis) erzählte, dass wir häufig nicht wussten, ob das Erzählte eine Info für uns ist oder nur ein Bericht einer früheren Reise. Doch dafür begeisterte uns die Landschaft sehr.
Übersichtskarte Detailkarte und Höhenprofil Nevado Humantay Blumen am Wegesrand
Übersichtskarte Detailkarte und Höhenprofil Nevado Humantay (5.917 m) Blumen am Wegesrand

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit (wir sind knapp südlich des Äquators, also ca. 12 Stunden hell und ca. 12 Stunden dunkel) erreichten wir unser Camp Challacancha in 3.600 m Höhe. Koch Zirilo und Horsedriver Ruwen schlugen die Zelte neben dem Haus einer Frau mit Kind auf, Wasser gab es aus dem Bach, die Toilette war hinter einem Busch und die Nacht ziemlich kalt (ca. 0°C).
Wie fortan jeden Morgen wurden wir mit Cocatee geweckt. Bis Soraypampa konnten wir auf dem Fahrweg wandern mit gemütlicher Steigung. Das Wetter war pefekt, so dass wir fantastische Blicke auf den Nevado Humantay und später auf Nevado Salkantay hatten. Zur Mittagspause erreichten wir schon unser Tagesziel Salkantaypampa in 4.100 m Höhe. Da wir nur etwas "Schnaufen" mussten, aber kein Kopfweh hatten und der Tag noch so jung war, entschieden wir, bis zum nächsten Camp 500 m höher aufzusteigen. Gegen 16 Uhr erreichten wir dann Pampahaponesa auf 4.600 m Höhe. Wir spürten beide unser Herz"le" pumpern und hatten etwas Kopfweh, aber Appetit. Nachts war es wohl -10°C kalt, dank Innenschlafsäcken froren wir nicht. Doch den tollen Sternenhimmel wollten wir wegen der Kälte auch nicht genießen.
Der restliche Aufstieg, ca. 1 Stunde, zum höchsten Pass des Salkantaytrails, Inka Chiriasqa, 4.960 m hoch, ging weit besser als erwartet. Die Aussicht zurück und in unsere Wanderrichtung war super. Für den Rest des Tages ging es gemütlich abwärts. Auch an Sisaypampa wanderten wir vorbei und erreichten schließlich den Canal Inka und unser heutiges Übernachtungscamp Pampacahuana in 3.950 m Höhe. Kurz vor dem Camp sahen wir hoch oben einen Condor kreisen. Auch dieses Camp hatte keine sanitären Einrichtungen.
Auch am letzten Tag des Salkantaytrails ging es im wesentlichen nur bergab und die Sonne schien wie gewohnt. Wir besichtigten gegen Mittag die strategisch günstig am Schnittpunkt von drei Tälern gelegene Inkastätte Paukarkancha. Am frühen Nachmittag erreichten wir schließlich den Endpunkt, Wayllabamba in 3.000 m Höhe. Hier begann für uns am nächsten Tag der Inkatrail.
Pampahaponesa Seitenmoränen Abstieg vom Inka Chiriasqa Paukarkancha
Pampahaponesa (4.600 m), im Hintergrund Nevado Salkantay (6.271 m ) Endmoränen Abstieg vom Inka Chiriasqa
(4.960 m)
Inkastätte Paukarkancha, strategisch günstig am Schnittpunkt von 3 Tälern gelegen


Inka Trail

Pro Tag werden am Gate in Wayllabamba in 3.000 m Höhe 500 Personen für den legendären Camino Inca zugelassen (Touristen inklusive Guide, Köche und Träger). Und alle 500 stehen um 7.00 Uhr, wenn das Gate öffnet, davor und warten auf Einlass. Die "Eintrittskarten" (lt. Internet 330 US$/pro Person) muss man im Vorfeld erwerben (entweder in Cusco oder besser noch über die heimische Reiseagentur, denn angeblich ist der Trail Monate im voraus ausgebucht), sie werden abgestempelt und man muss den Ausweis zeigen.
Dann konnte es endlich losgehen. Dank unserer guten Kondition hatten wir bald die meisten Touristen überholt und konnten so den steilen, grob gepflasterten Aufstieg (4,5 Std.) hoch zum "Pass der toten Frau" (Warmiwanuska) einigermaßen genießen. Wir mussten sehr viele Stufen erklimmen, die oft über Knie hoch waren, so dass ich mit meinen kurzen Beinen auf der Passhöhe tatsächlich halb tot war. Nach einer kurzen Pause ging es genauso steil hinunter nach Pacamayo auf 3.600 m Höhe (1,5 Std.). Pacamayo besteht nur aus dem "Campingplatz": Alle 500 Zugelassenen übernachten hier und haben nur 2 Waschhäuser mit je 3 Toiletten (nur 1 funktionierte) und 1 Dusche. Die Zelte standen dicht an dicht und wir mussten mit Ohrstöpseln schlafen.
Eintrittskarte für den Inkatrail Inkatrail Passhöhe Warmiwanuska grob gepflasterte Stufen
 "Eintrittskarte" Blick ins Tal nach Wayllabamba Passhöhe Warmiwanuska (Pass der toten Frau, 4.215 m) - schade, dass wir keine schneebedeckten 6.000er sehen können. Einige hundert Stufen haben wir schon erklommen und mehrere tausend Stufen liege noch vor uns ...

Am nächsten Morgen starteten um 7 Uhr wieder alle 500 Personen. Nach 30 Minuten erreichten wir die 1. Inkastätte des heutigen Tages Runkurakay, Beobachtungspunkt, Unterkunft für Reisende und Speicher. Dann ging es noch weitere 30 Minuten hoch zum 2. Pass des Inkatrails, 3.960 m. Leider war der Himmel immer noch ziemlich wolkenverhangen. Die 2. Inkastätte Sayacmarca wurde von den Colla's er- und den Inka's ausgebaut. Faszinierend war das ausgeklügelte Bewässerungssystem. Um 10.30 Uhr erreichten wir schon den Lunchplace Chaquicocha (3.570 m). Wir wurden mit warmem Ananassaft begrüßt und erhielten mitten auf der Lichtung des Märchenwaldes ein vorzügliches Mittagessen: Brokkoli mit Käse überbacken, Quinoasuppe, Causa (Kartoffelpürree-Rolle gefüllt mit Thunfisch), Hühnersalat, Reis, Nudeln. So gut wurden wir auf dem Inkatrail immer verköstigt, unser Koch auf dem Salkantaytrail bereitete da wesentlich einfachere, aber trotzdem gute Speisen zu.
Der weitere Camino Inka verlief schön am Hang entlang, der Zwergregenwald war dicht mit Moos überwachsen, Bromelien gab es im Überfluss. Schließlich erreichten wir die "Siedlung hoch über den Wolken" Phuyupatamarca. Wir sahen hinunter nach Aguas Calientes, erkannten uns heutiges Camp 700 m tiefer und konnten erahnen, wo Machu Picchu liegt. Kurz vor dem Campingplatz (dieses Mal gab es richtig viele Toiletten und Duschen sowie einen Shop) besuchten wir noch Winaywayna mit beeindruckenden Terrassen.



Machu Picchu

3.45 Uhr Frühstück, 4.15 Uhr Aufbruch und dann nach wenigen Minuten Wanderung mussten wir im Dunkeln mehr als 1 Stunde am Einlasstor warten (Eintritt 42 US$ pro Person). Dann folgte ein etwa einstündiger Dauerlauf bis Intipunktu (jeder wollte den besten Platz zum Fotografieren), wo wir dann feststellten, dass Machu Picchu im Nebel liegt. Gegen 8 Uhr endlich lichtete sich der Nebel und Machu Picchu tauchte auf - geheimnisvoll, majestätisch.

Machu Picchu heißt "alter Gipfel" und wurde um 1450 n. Chr. gegründet. Es liegt in 2.300 m Höhe auf einem Bergsattel hoch über dem Urubambatal und ist die wohl größte Touristenattraktion Südamerikas. Pro Tag dürfen 2.500 Touristen die Anlage besuchen, die sich aber glücklicherweise verteilen. 216 steinerne Bauten, 3.000 Stufen, Kanäle, Brunnenbauten, Abflussleitungen und drainierte Terrassen, die die Inkastätte vor Erosion schützen, sind zu sehen. Offiziell wurde Mach Picchu 1911 von Hiram Bingham wieder entdeckt. Er legte mit seiner Mannschaft die vom Dschungel überwucherten Bauten frei und stahl, was das Zeugs hielt - die Funde befinden sich heute in seiner Heimatstadt Yale (Quelle: geo special). Das Ende von Machu Picchu ist bis heute ungeklärt. Mit dem Zusammenbruch des Inkareichs war vermutlich auch der Untergang dieser Stadt unabwendbar. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis der Urwald sich ausbreitete und Machu Picchu in einen 300jährigen Schlaf fiel.
Die Landschaft um Machu Picchu ist schlichtweg gigantisch: tief unter uns der Rio Urubamba, ein Amazonas-Quellfluss, rings um uns viele steile Berge, ganz am Horizont schneebedeckte 6.000er. Nur mit Führung versteht man die Bauten in Machu Picchu, wir erfuhren astronomische, geographische und spirituelle Besonderheiten.
Übernachtet haben wir im Hotel Presidente im Talort von Machu Picchu, Aguas Calientes, das über eine 10 km lange staubige Serpentinenstraße per Bus angefahren wird. Aguas Calientes ist nur über eine Schmalspurbahn, die mitten durch den Ort fährt, von Ollantaytambo aus erreichbar, es gibt außer nach Machu Picchu keine weitere Straße. Der Ort ist eine reine Touristenstadt - wir waren nach 8.400 Höhenmetern in 6 Tagen verteilt auf 80 km (alle Zahlen sind der Wanderkarte entnommen) wieder in der Zivilisation angekommen.
Nach einem gemütlichen Frühstück fuhren wir am anderen Morgen noch einmal hoch nach Machu Picchu und streiften ohne Führung durch die Inkastadt, wanderten zur Inkabrücke, genossen die sagenhafte Landschaft und sahen zwei Lamas bei ihren Sexspielen zu. Auf die geplante Besteigung des Huayna Picchu verzichteten wir, da entweder um 6 Uhr morgens oder etwas später um 10 Uhr exakt 400 Touristen durch das Gate dürfen - nein danke, nicht schon wieder ewig warten vor einem Einlasstor.
Inkatrail, 2. Tag Machu Picchu Inkabridge Blick nach Aguas Calientes
Inkatrail, 2. Tag Machu Picchu taucht aus dem Nebel auf Inkabrücke bei Machu Picchu (gesperrt) Blick von Machu Picchu nach Aguas Calientes

Zurück in Aguas Calientes gönnten wir uns noch ein leckeres Mittagsbüffet in Toto's House mit schönem Blick auf den Rio Urubamba und peruanischer Live-Musik.
Um 15.35 Uhr fuhren wir dann im dem Zug ab - "Kakteenpflücken während der Fahrt verboten". Wir schätzten, dass der Zug eine Maximalgeschwindigkeit von 15 km/h hatte, Ganzkörpermassage inklusive. 2 Stunden später waren wir in Ollantaytambo, wo wir schon von einem Großraumtaxi (+ 8 Mitreisende) erwartet wurden zur Weiterfahrt nach Cusco. Dort übernachteten wir noch einmal im Hotel Suenos del Inka.

Den nächsten Tag hatten wir zur freien Verfügung und genossen es sehr, kein Programm zu haben, sondern auf der Plaza de Armas den Menschen zuzuschauen, gemütlich einen Kaffee auf einem der Balkone zu trinken, die vielfältigen peruanischen Kartoffeln im von einem Deutschen geführten Café Punchay (= externer Link) zu probieren und abends köstliches Alpaka-Carpaccio mit peruanischem Rotwein zu speisen.
Aguas Calientes Zugfahrt Cusco Kartoffelvielfalt im Café Punchay
Aguas Calientes Bergsturz an der Bahnstrecke Cusco Kartoffelvielfalt im Café Punchay



Altiplano

Auf der Fahrt mit dem First-Class-Touristenbus nach Puno saßen wir ganz vorne und erlebten so live, was First-Class bedeuten kann: Der Anlasser war kaputt und musste bei jedem Neustart überbrückt werden, die vordere Türe ließ sich nur mit Fußtritten öffnen, die Windschutzscheibe war gesprungen, der Tacho zeigte nichts an und kurz vor dem Ziel konnte der Fahrer nicht mehr schalten (wir wunderten uns eh schon die ganze Zeit, warum dieser so schaltfaul war). Diese "Verkaufsfahrt" dauert 8 - 10 Stunden (für 390 km) und wird für verschiedene, durchaus interessante Besichtigungen mit fachkundigen Führungen unterbrochen. Unser 1. Halt war bei der "sixtinischen Kapelle Südamerikas", San Pedro de Andahuaylillas, eine Barockkirche aus dem 17. Jh., die gerade renoviert wird. Die 2. Pause war beim Wiracocha-Tempel Raqchi mit einer 90 m langen und 12 m hohen Wand, um den herum eine "landwirtschaftliche Genossenschaft" der Inkas mit 100 qolqas (Lagerhäusern) liegt. Der 3. Stopp war bei einer "casa tipica" mit Alpakas, Meerschweinchen und Souvenirverkäufen ("Handwerkermarkt"). Der 4. Halt war ein Lunchbuffet in Sicuani, nichts besonderes, aber dafür peruanische Livemusik und wieder Souvenirverkäufer.
Kurz nach 14 Uhr erreichten wir die Passhöhe La Raya, 4.335 m über dem Meeresspiegel (5. Pause). Auch hier standen wieder einige Souvenirverkäufer, doch uns interessierte wie immer eher die Umgebung und die Aussicht. Wir verstehen sowieso nicht, wie diese vielen Souvenirverkäufer überleben können - von uns jedenfalls nicht. Auf La Raya beginnt das Altiplano, eine abflusslose, durchschnittlich 3.600 m hohe, Hochebene, die von hier 1.000 km nach Süden bis weit nach Bolivien hinein reicht. Hier herrscht Wüstenklima und das Hygrometer im Bus (das tat!) zeigte auch nur 10 % Luftfeuchtigkeit an - uns plagten eh schon die ganze Fahrt über trockene Augen und Nasen. Die 6. und letzte Besichtigung war das prä-inkaische Museum in Pukara. Juliaca, mit 220.000 Einwohnern und 30.000 Mototaxis, erreichten wir zur Rushhour. So hatten wir wenigstens Zeit, die unschöne Stadt mit dem internationalen Flughafen aus dem Bus zu betrachten.
Andahuaylillas Raqchi La Raya Altiplano
Kolonialkirche Andahuaylillas Wiracochas Tempel Raqchi Passhöhe La Raya Fahrt über das Altiplano

Puno am Titicacasee erreichten wir schließlich kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Auch hier wurden wir wie gewohnt erwartet und gleich ins Hotel gebracht. Das Abendessen nahmen wir im La Mojsa, eine Empfehlung unserer "Abhol-Lady", das auch wirklich gut war.


Titicacasee

Puno hat 118.000 Einwohner und liegt in 3.800 m Höhe am Nordufer des Titicacasees. Es wurde 1688 n. Chr. gegründet und hat ganzjährig Temperaturen zwischen 3 und 14°C.
Der Titicacasee ist der größte See Südamerikas und ist ca. 15 x so groß wie der Bodensee (194 km lang, 65 km breit, max. 281 m tief). Das Wasser hat eine Jahresdurchschnittstemperatur von 11°C. Er ist das höchstgelegene, kommerziell schiffbare Gewässer der Erde. Der Reiseleiter erzählte, dass "titi" peruanisch und "kaka" bolivianisch sei und beides "Puma" bedeuten würde, denn der See habe aus der Luft die Umrisse eines Pumas (kann ich nicht erkennen ...).
Wir wurden wieder einmal frühmorgens abgeholt und durften mit einem Touristenboot (Gott sei Dank verließ der Musiker nach einem "Obladi Oblada" der Beatles und "Schmerzensgeld" anderer Mitreisender schnell noch das Boot vor der Abfahrt) zu den Urus fahren. Die Urus sind eine 2.000 Personen starke indigene Gruppe und wohnen auf 49 schwimmenden Inseln, die 2 m dick sind mit 13 m Wasser darunter. Sie leben heute vom Tourismus und sprechen Aymara. Die Urus bauten die Inseln ursprünglich, um sich vor den kriegerischen Inkas zu schützen, sie sind sehr stolz auf ihre traditionelle Lebensweise und lehnen es bis heute ab, auf das Festland überzusiedeln. Und sie sind sehr penetrant bzgl. Souvenirverkäufen. Als die bunt gekleideten Damen uns zum Abschied "Vamos a la playa" sangen, kamen wir uns endgültig wie im falschen Film vor.
Wir hatten dann auf der Weiterfahrt zur Insel Taquile 3 Stunden Zeit, um uns von der "Völkerschau" zu "erholen". Das war zur Abwechslung mal richtig relaxen. Die Insel Taquile ist 5,5 km lang, 1,6 km breit und hat eine maximale Höhe von 4.050 m. Die 1.700 Bewohner sprechen Quechua und leben wie die Urus ebenfalls vom Tourismus. Allerdings waren sie wesentlich zurückhaltender als die Urus. Die Insulaner hier haben den Kunshandwerksverkauf genossenschaftlich organisiert und leben nach Inka-Geboten: nicht stehlen und nicht lügen, weshalb es auch keine Polizei auf der Insel Taquile gibt. Und auf der Insel stricken die Männer, die Frauen spinnen die Wolle.
Leider war es recht diesig und wir konnten die bolivianische Cordillera Occidental am Horizont nur erahnen. Das Mittagessen war inklusive: Hoch oben auf dem Berg erhielten wir leckere Quinoasuppe sowie Forellenfilet mit Reis. Über die 500 Stufen hinunter zum Hafen konnten wir nur lächeln und stürmten an den anderen, untrainierten Touristen nur so vorbei.
Hotel Casona Plaza in Puno Puno am Titicacasee Schilfboot auf dem Titicacasee Insel Taquile
Hotel Casona Plaza in Puno Puno am Titicacasee Schilfboot auf dem Titicacasee Insel Taquile, Titicacasee

Eine weitere Empfehlung unserer "Abhol-Lady" war das Abendessen im La Choza de Oscar, richtig lecker und sehr ansprechende andinische Musik mit Show.
Den nächsten Vormittag hatten wir frei. Und weil wir ja in diesem Urlaub noch nicht genug gelaufen sind, wanderten wir zu einem Aussichtspunkt hoch über Puno gelegen. Danach gelangten wir zufällig auf einen großen Wochenmarkt, über den wir einige Zeit streiften, übrigens wieder ohne jegliche unangenehme Situationen wie Betteln oder Diebstahl. Überhaupt haben wir uns auf der gesamten Reise niemals irgendwo unwohl gefühlt oder unliebsame Erlebnisse gehabt.
Am Nachmittag standen als letzte Exkursion die Grabtürme von Sillustani auf dem Programm. Um 1200 n. Chr. errichteten die Aymara runde Chullpa's (= Begräbnistürme) für bedeutende Persönlichkeiten und deren Familien, ein Brauch, den die Inkas nach der Eroberung des Gebietes (1445) fortsetzten. Wir hatten zum Abschluss noch einen richtig guten und engagierten Guide namens César, der auch im Sand visualiserte und Fotokopien und ein Inkakreuz für uns dabei hatte.

Abendessen Markt in Puno Grabtürme von Sillustani Lima
Abendessen im La Choza de Oscar Markt in Puno Grabtürme von Sillustani Lima


Rückflug

Und dann war der Urlaub rum - wirklich schade. Wir flogen am frühen Morgen - natürlich via Drehscheibe Cusco - zurück nach Lima, hatten ein Tageszimmer im obigen Hotel Los Girasoles, schlenderten noch einmal durch Miraflores und aßen mit Blick auf den Pazifik ein letztes Mal köstliches Ceviche. Durch Vorab-Checkin im Hotel waren wir dann im Flughafen VIP's und konnten ohne lange Warteschlange zum Express-Checkin. 19.35 Uhr pünktlicher Abflug. Wegen des Nachtfluges hatten wir Comfortsitze bei der KLM gebucht, die sich gelohnt haben, da wir wirklich reichlich Platz hatten und die Lehne deutlich flacher neigen konnten zum Dösen.


Bilanz/Fazit
  • 14 Bücher
  • 24 Reisetage
  • 32 kg Gepäck
  • 34 Flugstunden
  • 60 km Bootsfahrt auf dem Amazonas (von 6.448 km)
  • 78 km Trekking
  • 460 km Busfahrten
  • 1.417 Fotos (+ die aussortierten)
  • 8.270 Höhenmeter während des Trekkings (lt. Karte und viele weitere während der Besichtigungen)
  • 12.000 (?) Stufen auf dem Inkatrail und in Machu Picchu (geschätzt)


© schwabenteuer - 20.02.2011